Warum Veränderung schwer sein kann

Veränderung in sein Leben zu bringen oder gar sich selbst zu verändern, kann sehr schwer sein. Evolutionär macht es auch Sinn, dass das Gehirn keine Veränderung möchte, denn diese kann auch ein Risiko beinhalten. Wenn wir in der Steinzeit mal einen unbekannten Weg nahmen, konnte es sein, dass das das Territorium eines Säbelzahntigers ist. Und da wir instinktiv überleben möchten, machte es damals Sinn, auf Sicherheit zu bauen.
Doch wie sieht es heute aus? Unsere Überlebenschancen in Europa sind recht hoch und wir müssen uns aktuell im Normalfall keine Gedanken über gefährliche wilde Tiere machen. Vielleicht steht uns der damals überlebensnotwendige Mechanismus heute im Weg? Meiner Meinung nach: Nicht unbedingt. Doch fangen wir von vorne an.

Keine Lösung in Sicht

Kennst du das? Du stehst vor einem Problem und egal wie du es drehst und wendest, du findest einfach keine Lösung. Dein Umfeld bietet dir sogar Ideen an, aber irgendwie sind sie alle für dich nicht umsetzbar oder du hast schon gefühlt alles probiert und nichts bringt dich näher zur Lösung.

Veränderungen müssen zum eigenen Leben passen. Nur weil etwas für mich persönlich funktioniert, muss es nicht auch für dich passen und umgekehrt. Genau deshalb braucht es individuelle Lösungen. Doch selbst wenn man (möglicherweise sogar mit professioneller Hilfe) zwar Lösungen findet, kann es passieren, dass es aus sämtlichen erdenklichen Gründen nicht möglich ist, diese Lösungen umzusetzen. Spätestens dann frage ich in meiner Beratung gerne nach dem Preis der Veränderung. Zunächst aber zu möglichen Widerständen:

Mögliche Widerstände

Die Systemikerin
Manchmal scheinen Widerstände unüberwindbar

Wenn du in deiner Beziehung etwas verändern möchtest, können dich beispielsweise folgende Fragen beeinflussen:

  • Was sagt mein Umfeld? Wie reagiert es?
  • Was kann ich jetzt mit meinem Partner besprechen, wenn ich nichts mehr zu meckern habe? Was bleibt uns dann noch?
  • Was ist, wenn ich in der Beziehung scheitere?
  • Was ist, wenn ich mir eingestehe, dass die Beziehung vielleicht schon gescheitert ist?
  • Wie würde sich dadurch mein ganzer Alltag verändern? Wäre diese Veränderung überhaupt positiv? Es fühlt sich anstrengend an!
  • Was ist, wenn mein Partner sich über mich lustig macht? Ich kann mich nicht verletzlich zeigen!
  • Was ist, wenn mein Partner mich nicht versteht und ich ihn durch die Veränderung von mir wegstoße?
  • Jetzt schweigen wir uns nur noch an. Was bleibt uns von der Beziehung, wenn das wegfällt?

Solche Fragen können sehr schmerzhaft sein und oft ist uns auch gar nicht bewusst, dass sie uns hemmen. Es kann hilfreich sein, diese Hintergründe zu kennen und diese Fragen für sich zu beantworten, aber manchmal ist das auch kontraproduktiv und schürt noch mehr Angst. Daher arbeite ich gerne mit dem Preis der Veränderung:

Der Preis der Veränderung

Welchen Preis muss ich für die Veränderung zahlen? Bei einer Krankheit beispielsweise, könnten folgende (unterbewussten) Gedanken dazu führen, dass es individuelle Gründe für die jeweilige Person gibt, nicht gesund zu werden:

  • Wenn ich gesund bin, bekomme ich weniger Unterstützung und bin mehr auf mich alleine gestellt
    ->Einsamkeit?
  • Ich weiß nicht, ob ich (noch) ein eigenständiges Leben führen kann!
  • Jetzt werde ich oft umsorgt und besucht. Fällt der Besuch weg, wenn ich wieder gesund bin?
  • Ich mag es nicht, zu kochen. Es ist schön, dass ich mich nicht mit dem Haushalt herumplagen muss und für mich gekocht und geputzt wird!
  • Ich kann in Ruhe im Bett bleiben und es werden keine Erwartungen an mich gestellt. Ich habe Angst vor den Erwartungen anderer, wenn ich wieder gesund bin!

Dieses Phänomen nennt sich „sekundärer Krankheitsgewinn“ und es ist auf vielfältige Lebensbereiche übertragbar. Oft ist der Preis für ein selbstbestimmtes Leben die Verantwortungsübernahme.

Was überwiegt für dich? Das muss jeder selbst entscheiden! Ich kann nur Impulse geben, die dir dabei helfen, für dich eine Entscheidung zu treffen.

Verantwortung

Haben wir uns für etwas entschieden (und das kann auch sein, dass wir genauso weitermachen wie bisher), dann sollten wir die Verantwortung für die bewusst gefällte Entscheidung tragen.
Es ist leicht, über andere zu meckern und deren Fehler zu finden. Für das eigene Handeln die Verantwortung zu übernehmen, ist für viele sehr schwer. Ich denke: Wer die Verantwortung hat, hat die Macht! Das ist gar nicht negativ gemeint! Wenn ich mich hinterfrage und Verantwortung für meine eigenen Reaktionen auf das Handeln anderer übernehme, ist das schon ein guter Anfang. Die Antwort steckt sogar in dem Wort Ver-ANTWORT-ung drin. Wir können uns entscheiden, aus automatischen Handlungsmustern auszubrechen und wie wir anderen antworten. Wir können und entscheiden, was wir denken wollen. Und damit beeinflussen wir sogar, wie wir uns fühlen.

Ist das einfach? Nein, ganz und gar nicht! Aber ich denke, dass wir alle ein kleines bisschen mehr Verantwortung übernehmen können und uns damit die Zügel für unser Leben ein Stück (zurück) nehmen können! Natürlich geht nicht immer alles. Aber wir sollten nicht müde werden, nach Lösungen zu suchen!

Selbstbestimmung

Andererseits ist es natürlich auch vollkommen in Ordnung, beispielsweise krank zu bleiben oder sich bestimmten Problemen nicht zu stellen. Ich überrede niemanden zu irgendetwas und finde auch, dass jeder Mensch das Recht hat, selbst für sich zu entscheiden, was er als Problem sieht, wann was dran ist und welches „Problem“ er vielleicht sogar behalten möchte. Grenzen hat dies natürlich, wenn man sich selbst oder andere gefährdet. Was mich auf die Palme bringt, kann andere völlig kalt lassen und umgekehrt. Deshalb ist es ja so spannend, sich mit anderen auseinanderzusetzen. Unsere Welt ist bunt und vielfältig und das macht sie auch wunderschön!♥

Sei stolz auf deine Fortschritte!

Fazit

Doch kommen wir nun zur Anfangsfrage zurück: Steht und der früher überlebensnotwendige Mechanismus heute bei unseren Veränderungen im Weg?
Ja und nein.
Ja, da er uns Veränderungen in gewisser Weise erschwert. Und nein, weil er uns nicht einfach wild etwas ausprobieren lassen, dass uns vielleicht schadet. Je nachdem, wie groß unser Sicherheitsbedürfnis oder auf der anderen Seite unsere Risikobereitschaft ist, fallen uns Veränderungen leichter – oder eben auch nicht. Doch dies lässt sich ein Stück weit trainieren.

Doch egal, in welcher Richtung man sich verändern möchte: Es macht Sinn, vorher die eigenen Motive sowie den zu zahlenden Preis zu hinterfragen und nach dem Abwägen eine Entscheidung zu treffen. Manchmal muss man aber auch Dinge einfach ausprobieren; eine gefasste Entscheidung ist ja schließlich nicht in Stein gemeißelt. Wir entwickeln uns und so dürfen sich auch unsere Entscheidungen mit-entwickeln.

Wenn bei dir das Sicherheitsbedürfnis überwiegt und du gerne neue Wege gehen würdest, kann es auch helfen, sich zu überlegen, was das Schlimmste ist, was passieren kann. Und wenn auch das nicht hilft, überlege dir, was die notwendigen Schritte zum Erfolg sind. Wenn du dich endlich beim Sportkurs anmelden möchtest, aber nicht traust, schalte deinen Kopf aus und mach stumpf die notwendigen Schritte.

  1. Sportkurs raussuchen
  2. Anmeldung schreiben
  3. Anmeldung wegschicken
  4. Auf Rückmeldung warten
  5. Bezahlen
  6. Teilnehmen


Wie bei so vielem im Leben, macht’s die Balance. Wenn etwas dein großer Wunsch ist: Trau dich und finde Wege! Wenn du dir bei etwas unsicher bist, forsche, was du brauchst, damit du Sicherheit erlangst. Es ist doch schön, sich selbst zu überraschen und Dinge zu meistern, die man sich vorher nicht zugetraut hat oder einfach sein Leben zu erleichtern! Oder man bleibt ganz bewusst in der aktuellen Situation; ohne schlechtes Gewissen und dafür mit ganz viel Klarheit. Oder etwas dazwischen.


In Richtung Veränderung ging auch der Blogbeitrag meiner Blogger-Kollegin Nicole. Sie hat sich im Rahmen einer Neujahrs-Challenge reflektiert und gibt Auskunft über Erfolge, Herausforderungen und Tipps. Dies alles unter dem Titel: „Neujahrs-Challenge 2024! Wofür ich nicht mehr zur Verfügung stehe „Rückblick““. Hier nachzulesen. Ich fand den Beitrag so inspirierend, dass ich ihn hier nicht vorenthalten wollte.

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